Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin
Künstler aus aller Welt beteiligten sich 1994 an einer Ausschreibung für ein Denkmal auf einem 20000qm großen Grundstück nahe dem Brandenburger Tor in Berlin. Auch ich fand es reizvoll, über diese anspruchsvolle Aufgabe nachzudenken. Entstanden ist mein Entwurf für ein vielseitiges Areal mit Park, einer monumentalen Fläche mit einer großen Bronzeskulptur und einem dreieckigen Denkmal-Haus, in dem Konferenzräume, eine Bibliothek, eine Buchhandlung und ein Restaurant vorgesehen sind.
Das Grundstück erlaubt es, jedem der 6 Millionen Opfer des Holocaust einen 3cm großen, sechseckigen Marmorstein zu widmen. Alle Steine fügen sich zu einem liegenden Sechsstern und einem über 100m langen Wegen mitten hindurch zusammen. So wird diese sonst unvorstellbar große Zahl anschaubar. Am Rand des Weges sind auf Bronzetafeln Zitate bekannter Juden vorgesehen. Wer die Fülle der Zitate gelesen hat, wird ahnen, welcher geistiger Reichtum damals zum Verstummen gebracht worden ist.
Ein Mahnmal braucht nicht unbedingt das Grauen durch besondere Hässlichkeit oder Aufdringlichkeit zu wiederholen, sondern kann auch ein Ort der geistigen Anregung und Neuorientierung sein, ein Ort des Staunens und der Ehrfurcht, des Respekts vor den Opfern und der Dankbarkeit für ihr Leben.
Auch wenn in meinem Entwurf der Stern von einer Art Zaun aus verwinkelten, spiegelnden Dreiecken umgeben ist, gibt es doch eine Weg hinein und heraus und ein befreiendes Aufatmen in den Grünflächen außerhalb. Dadurch erhält das Gelände etwas Einladendes und regt immer wieder zum Nachdenken an.
Im Zentrum wird der Blick durch einen offenen, dreidimensionalen Sechsstern aus goldglänzender Bronze zum Himmel erhoben. Hier ist Raum für Gedenkfeiern und die eigene Standortbestimmung, denn die Vergangenheit holt uns immer wieder ein und stellt nachdrücklich die gleichen Fragen, wie die Auseinandersetzung mit rechtsradikalen Tendenzen in unserer Gesellschaft und die ständigen Unruhen in Israel bezeugen.
Nach dem Besuch des Monumentes gibt das Denkmal-Haus Gelegenheit, die Eindrücke durch das Studium, Tagungen oder einen beschaulichen Blick auf das Gelände zu vertiefen.